Belzec, Montag, 14.11.2011

Aufbruch in Zamosc um 8.00 Uhr. Wir fahren mit unserem Mietwagen weiter Richtung Südosten. Belzec ist ein kleiner Ort, 10 km vor der ukrainischen Grenze.

Es ist neblig und kalt. Wieslaw Wysock führt uns durch die Gedenkstätte des ehemaligen Vernichtungslagers Belzec. Es liegt unmittelbar am Bahnhof. Vom Lager ist nichts erhalten geblieben, aber bei Ausgrabungen wurden 33 Massengräber entdeckt. Die Gedenkstätte ist ein Friedhof: eine große Fläche mit Schlacke, die nach hinten ansteigt, in der Mitte geteilt durch einen Weg. Wir gehen hindurch, die Wände werden höher und höher. Von Februar bis November 1942 führte etwa hier der Weg in die Gaskammern, in denen um die 500.000 Menschen den Tod fanden. Sie wurden von den umliegenden Transitlagern oder direkt von ihren Heimatorten hierher deportiert. Auch viele der aus München Deportierten, die im April 1942 nach Piaski verschleppt wurden, kamen hier ums Leben.

Während der „Aktion Reinhardt“ wurden etwa 1,7 Millionen Juden im Generalgouvernement ermordet. Die jüdischen Gemeinden vor Ort waren zerstört und mit ihnen verschwand ihre jiddische Schtetl-Kultur.

Renate Eichmeier

Eindrücke von Ernst Grube am neunten Tag der Reise – Belzec

Zitat

Helga Hanusa und Ernst Grube

Helga Hanusa und Ernst Grube

Vernichtungslager Belzec

Mit dem 2. Transport am 21. April 1942 wurden 700 Münchner Juden, wie ich heute weiß, in das Durchgangslager Piaski deportiert. Darunter 10 Kinder aus unserem Antonienheim. Wir noch nicht verschickten Kinder mussten nun mit den Erzieherinnen Henriette Jakobi und Alice Bendix ins Durchgangslager Milbertshofen. Die SS nutzte ab jetzt das Gebäude des jüdischen Kinderheims für den „Lebensborn“.

In der Gedenkstätte Belzec erinnern mich die Vornamen der Ermordeten an der Gedenkwand an meine Freunde aus dem Kinderheim und an meine Verwandten

 

Erde, bedecke mein Blut nicht, lass mein Schreien keine Ruhestatt finden.
Buch Hiob 16.18