Zamosc, Sonntag, 13.11.2011

Wieslaw Wysock holt uns morgens im Hotel ab. Wir haben einen Mietwagen und verlassen Lublin Richtung Südosten. Graues Novemberwetter. Wir fahren über die Lubliner Hochebene, links und rechts der Straße Felder, hin und wieder liegt etwas Schnee.

Nach einer Viertelstunde erreichen wir Piaski. Wieslaw Wysock führt uns durch den kleinen Ort, der heute etwa 2500 Einwohner hat. Vor der deutschen Besetzung 1939 war Piaski ein Schtetl mit etwa 4000 jüdischen Einwohnern. Odilo Globocnik, SS- und Polizeiführer im Distrikt Lublin, ließ einen Teil des Ortes mit einem Bretterzaun absperren  und zu einem Ghetto umfunktionieren. Einheimische Juden und Deportierte aus dem Deutschen Reich wurden auf engstem Raum zusammengepfercht. Im April 1942 kamen um die 750 Menschen aus München hier an.

Auch das etwa 20 km entfernte Izbica war ein Schtetl, das die deutschen Besatzer in ein Ghetto für einheimische und deportierte Juden umwandelten.

Piaski und Izbica waren Transitlager. Wer nicht an den furchtbaren Lebensbedingungen starb, wurde in die nahegelegenen Vernichtungslager Belzec und Sobibor gebracht. Bei Auflösung der Ghettos Anfang November 1942 wurden 2000 Juden auf den jüdischen Friedhöfen erschossen.

Wir fahren weiter nach Zamosc, über Jahrhunderte eine internationale Handels- und Wissenschaftsstadt: Armenier, Griechen, Polen, Juden, Menschen aus den verschiedensten Kulturkreisen lebten hier.

Renate Eichmeier

Eindrücke von Ernst Grube und Helga Hanusa vom achten Tag der Reise – In Zamosc

Zitat

Deportierte Familienmitglieder von Ernst Grube

Deportierte Familienmitglieder von Ernst Grube

Die Onkel und Tanten mütterlicherseits von Werner, Ruth und mir wurden mit ihren Kindern nach Piaski, Izbica und Riga deportiert: Selma Süss-Schülein und Siegfried Süss-Schülein, Rosa Neu und Sigmund Neu mit ihrem Sohn Irwin Neu, Erna Berenz und Max Berenz mit ihren Kindern Abraham, Manasse und Bella (geb. 7.3.1942).

Am 25.11.1949 wurden sie vom Amtsgericht Stuttgart für tot erklärt.

Ernst Grube

 

Auf dem jüdischen Friedhof in Izbica steht auf einem Gedenkstein: „Hier ruht die Asche der durch Deutsche im November 1942 ermordeten Juden mit der Bitte um Nachdenken und ein Gebet.“

Helga Hanusa

Denkmal

Denkmal Izbica

Denkmal Izbica

In Izbica, das vor dem Krieg ein rein jüdisches Schtetl war und in dem alle jüdischen Bewohner ermordet wurden, steht auf dem neuen, von der EU finanzierten Hauptplatz ein Denkmal für die gefallenen polnischen (christlichen) Soldaten.

Betraum

Grabstein Izbica

Grabstein Izbica

In Izbica hatten die Nazis aus den Grabsteinen des örtlichen Friedhofs ein Gefängnis gebaut. Nach dem Krieg wurde ein Betraum aus den Steinen auf dem ehemaligen jüdischen Friedhof errichtet.

Grabstein

Grabstein auf dem jüdischen Friedhof in Piaski

Grabstein auf dem jüdischen Friedhof in Piaski

Auf dem ehemals großen jüdischen Friedhof in Piaski, der komplett von den Nazis zerstört wurde und auf dem jetzt ein kleines  Eichenwäldchen gewachsen ist, gibt es nur noch einen einzigen jüdischen Grabstein.