Im Zug nach Oswiecim, Dienstag, 8.11.2011

Rote Eisenbahnwaggons im Abendlicht

Rote Eisenbahnwaggons im Abendlicht

Heute morgen früher Aufbruch in Terezin. Mit dem Taxi nach Bohušovice. Durch eine neblige Herbstlandschaft mit dem Zug über Prag nach Oswiecim (Auschwitz). Je näher wir der polnischen Grenze kommen, um so sonniger wird es. Bequemes ICE-Abteil, Verpflegung mit dabei und Zeit für ein Resümee. Paul sitzt mit seinem Block auf den Knien am Fenster und zeichnet. Er hat eine kleine Tochter. Der Besuch im Ghetto-Museum ist ihm unter die Haut gegangen, die Ausstellung zu all den ermordeten Kindern. In den farbenfrohen Zeichnungen der Kinder, ihrer selbstgemachten Zeitschrift und ihren Gedichten prallen Lebenskraft und Todesdrohung aufeinander – so Ernst und Helga.

Für mich bleibt Terezin unbegreifbar. In zehn Minuten läuft man quer durch die Stadt von einem Ende zum anderen. Zehntausende Menschen haben hier den Tod durch Hunger und Misshandlung gefunden, Zehntausende wurden in die Vernichtungslager im Osten geschickt.

16 Uhr 30: Wir kommen in Oswiecim an.

Renate Eichmeier

Eindrücke von Ernst Grube und Helga Hanusa vom dritten Tag der Reise – Fahrt nach Oswiecim

Zitat

Während der Fahrt nach Oswiecim sprechen wir über unsere Eindrücke vom Gedenksaal der Kinder im Ghetto-Museum Theresienstadt. Fast 8000 Namen und Geburtsdaten von ermordeten Kindern bedecken die Wände des Saals. Eine Auswahl von Kinderzeichnungen zeigt frohe Erinnerungen an zuhause und farbige Zukunftsträume. Im Gedicht „Der Garten“ spüren wir das Potential und die Sehnsucht nach Leben bei gleichzeitiger Gewissheit des Todes.

Das kleine Rosengärtlein
duftet heut so sehr
es geht auf schmalem Wege
ein Knabe hin und her.

Ein Knäblein, ach so schön und hold,
ein Knösplein, das g’rad blühen wollt’,
erblüht einmal das Knösplein klein,
so wird das Knäblein nicht mehr sein.

Der vierzehnjährige Verfasser Frantisek Bass wurde am 28. Oktober 1944 in Auschwitz ermordet. Nur 245 Kinder haben den Transport in den Osten überlebt.

Ernst Grube und Helga Hanusa

… zu voll.

Zitat

“Die Türen waren hermetisch geschlossen, Luft kam durch ein kleines Viereck von einem Fenster. [...] Der Waggon war einfach zu voll. Panik.”

Ruth Klüger über ihre Deportation von Theresienstadt nach Auschwitz

Greifvögel

Greifvogelaufkleber am Bahnhof in Bohusovice

Greifvögel

Am Bahnhof in Bohusovice gibt es eine Unterführung die zu den Gleisen führt. An dieser Unterführung kleben Greifvogelaufkleber an den Fenster um die echten Vögel davon abzuhalten in die Fenster zu fliegen.