Terezin, Montag, 7.11.2011

Heute ab 8.00 Uhr Führung durch die kleine Festung, die außerhalb der Tereziner Altstadt liegt und bereits zu Zeiten der Habsburger ein Gefängnis war. Ab 1940 war hier ein Gestapogefängnis vorwiegend für politische Gefangene. Unsere Führerin Zusanna spricht hervorragend Deutsch, ihre Mutter stammt aus einer jüdischen Familie in Heidelberg. Sie führt uns durch die Backsteinbauten: BLOCK A, Gefängniszellen und eine Strafzelle für Juden aus dem Ghetto, eingesperrt wurden sie für Vergehen wie Schmuggel von Lebensmitteln. Zum Schluss sehen wir noch die Hinrichtungsstätte, nicht weit davon das Haus der SS-Kommandanten mit Swimming-Pool. Die Sonne scheint, aber es ist kalt heute. Wir frieren. In einem kleinen Lokal auf dem Festungsgelände trinken wir Tee. Es war damals das SS Kasino.

Wieder in der Altstadt erzählt uns Ernst von seiner Zeit in Theresienstadt, die Familie war getrennt, Hunger, Angst, Massen an Menschen auf engem Raum. Theresienstadt wurde ursprünglich für etwa 7000 Einwohner erbaut. Zwischen November 1941 und der Befreiung im Mai 1945 waren hier zeitweise 60000 Menschen zusammengepfercht, insgesamt wurden mehr als 140000 Menschen hierher deportiert, 33000 kamen um, ca. 87000 wurden in die Vernichtungslager in den Osten weitertransportiert.

Unvorstellbare Dimensionen. Heute wirkt Terezin bedrückend still, verfallene Häuser, leere Straßen, wenig Geschäfte. 1500 Menschen leben noch hier.

Renate Eichmeier

Eindrücke von Ernst Grube vom zweiten Tag der Reise – Theresienstadt

Zitat

Ernst Grube vor dem Haus, in dem er in Theresienstadt gelebt hat

Ernst Grube vor dem Haus, in dem er in Theresienstadt gelebt hat

Meine Erinnerungen gehen heute vor allem zu meiner Mutter, die als Krankenschwester hier in Theresienstadt gearbeitet hat. Was ging in ihr vor, als sie die Deportationsanordnung erhalten hatte? „Sind wir jetzt dran?“

Ihre drei Schwestern Selma, Erna und Rosa waren bereits 1942 nach Piaski, Izbica und Riga deportiert worden, zusammen mit ihren Ehemännern und Kindern.

„Wir kommen auf Transport“, hieß es. Dann gab es keine Nachricht mehr.

Mich beschäftigt zunehmend, dass ich als Kind die Gefühle meiner Mutter oft nicht verstanden habe.

Efeuranken an der Wand

An der Wand im ehemaligen SS–Kasino in Theresienstadt wachsen in feinen Gläsern Efeuranken

An der Wand im ehemaligen SS–Kasino in Theresienstadt wachsen in feinen Gläsern Efeuranken

Der heutige Wirt hat sie dort platziert – die Einrichtung ist ansonsten noch die gleiche wie aus der Zeit der Nazi-Diktatur.

Schatten an der Hauswand

Pflanzenförmiger Schatten an Hauswand

Pflanzenförmiger Schatten an Hauswand

Alle Konzentrationslager, die ich kenne, zeichnen sich durch viele verschiedene Lampen aus, die dazu bestimmt sind, die Insassen von der Flucht abzuhalten. Auf diesem Foto ist nur der Schatten der Lampe abgebildet – Schatten ist die andere Seite des Lichtes und in der Schattensilhouette hat die Lampe die Form einer großen Blume.

Graues Rechteck an zweifarbiger Wand

Blinder Spiegel in einem Waschraum der kleinen Festung in Theresienstadt

Blinder Spiegel in einem Waschraum der kleinen Festung in Theresienstadt

In einem Waschraum in der kleinen Festung Theresienstadt (Die kleine Festung war das Gestapo Gefängnis und die Behandlung der Gefangenen war ganz besonders brutal) hängen über den Waschbecken rechteckige Spiegel – die Spiegel wurden montiert, um dem roten Kreuz, das sich zu einem Kontrollbesuch angekündigt hatte, Normalität vorzuspielen – tatsächlich hat das Rote Kreuz aber nie die kleine Festung besucht. Noch immer hängen die Spiegel, die die Wahrheit über die Brutalität des Ortes verschleiern sollten, aber die Oberfläche ist blind geworden.

Ornamente am Ofen

Jugendstil Ornamente an einem kleinen Ofen in einem Kerkerraum in der kleinen Festung in Theresienstadt

Jugendstil Ornamente an einem kleinen Ofen in einem Kerkerraum in der kleinen Festung in Theresienstadt

Der Jugendstil wurde von den Nazis als jüdischer Stil verfemt. Der Ofen wurde während der Nazi-Herrschaft nicht beheizt, um die Insassen noch mehr zu zerstören, was den Nazis aber nicht gelungen ist und auch der Ofen steht noch da mit seiner wunderbaren und feinen Ornamentik und trotzt der Barbarei.

Schatten an der Wand

Schatten eines alten Telefons und Büro Utensilien an der Wand im ehemaligen Büro des Lagerleiters

Schatten eines alten Telefons und Büro Utensilien an der Wand im ehemaligen Büro des Lagerleiters

In dem ehemaligen Büro des Lagerleiters in der kleinen Festung in Theresienstadt fiel das Morgenlicht durch das Fenster und warf einen Schatten des Telefons und anderer Büroutensilien an die Wand. Der Schatten macht aber die Gegenstände größer und bedrohlicher  - das Foto verweist auf die ganz besondere Unmenschlichkeit der Nazi Diktatur, die sich vor allem in der perfekten Organisation und menschenverachtenden Bürokratie äußerte.