Eindrücke von Ernst Grube vom zwölften Tag der Reise – In einem Kaunaser Gymnasium

Zitat

Ernst Grube vor Gymnasiasten in Kaunas

Ernst Grube vor Gymnasiasten in Kaunas

Nach dem Gespräch mit der Schulleitung kommt es zu einer Begegnung mit einer deutschsprachigen Klasse von Abiturienten, die gespannt und aufmerksam zuhören. Ich erzähle, dass mit der 1. Deportation aus München 23 Kinder aus dem Antonienheim nach Kaunas verschleppt und ermordet wurden.

Wir wissen nicht, ab wann sie gespürt haben, dass ihr Leben zu Ende geht. Die Mütter und Väter haben wahrscheinlich bis zum Schluss versucht, ihre Kinder zu schützen.

Am Ende kamen zwei Schüler auf mich zu und fragten mich: Wie beurteilen Sie Nationalismus?

Ernst Grube

Kaunas, Donnerstag, 17.11.2011

Gespräche im Direktorium des Gymnasiums Kauno Stepono Dariaus ir Stasio Gireno

Gespräche im Direktorium des Gymnasiums Kauno Stepono Dariaus ir Stasio Gireno

Besuch im Gymnasium Stepono Dariaus ir Stasio Gireno. Freundlicher Empfang, Gespräch mit der Schulleitung und mit Deutsch- und Geschichtslehrern. Das Gymnasium hat seit einigen Jahren eine Partnerschaft mit der Karla Raveh Gesamtschule des Kreises Lippe in Lemgo. Karla Raveh ist eine Holocaust-Überlebende.

Ernst spricht mit einer Klasse Abiturienten. Er erzählt, dass 23 Kinder aus dem Antonienheim, wo er mit seinen Geschwistern lebte, vor 70 Jahren nach Kaunas deportiert und im Fort IX ermordet wurden:

„Wir wissen nicht, ab wann sie gespürt haben, dass ihr Leben zu Ende geht. Die Eltern haben wahrscheinlich bis zum Schluss versucht, ihre Kinder zu schützen. Wir wollen, dass sich auch nur Ähnliches nicht wiederholt – Verspottung, Erniedrigung, Ausgrenzung. Deshalb wollen wir mit Ihnen über das Geschehen sprechen und in Kontakt kommen und uns besprechen, wie wir gemeinsam eine Zukunft schaffen können, in der es weder Lager noch Krieg gibt.“

Ernst Grube und Julijana Zarchi

Ernst Grube und Julijana Zarchi

Auch eine litauische Zeitzeugin ist dabei: Julijana Zarchi. Die 73jährige ist die Tochter einer Düsseldorferin und eines litauischen Juden. Als kleines Kind war sie im Kaunaser Ghetto. Sie überlebte mit ihrer Mutter. Ihr Vater und die ganze Familie väterlicherseits wurde in den ersten Tagen der deutschen Besetzung ermordet.

Antijüdische Pogrome zeitgleich mit dem deutschen Einmarsch, Beteiligung litauischer Bataillone an den Morden des Einsatzkommandos 3. Spezialeinheiten zogen von Dorf zu Dorf und töteten alle jüdischen Männer, Frauen, Kinder. Das Ausmaß der Gräueltaten war für die nichtjüdische Bevölkerung unübersehbar.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es im sowjetischen Machtbereich keine Unterscheidung zwischen jüdischen und nichtjüdischen Opfern des Faschismus. Erst nach dem Zusammenbruch des Ostblocks begann die Auseinandersetzung mit dem Genozid.

Renate Eichmeier

Freiheitsstatue

Freiheitsstatue

Freiheitsstatue

Freiheitsstatue auf dem Dach über dem Ort, an dem sich die Lietukis Garage befand, an dem am 23. Juni 1941 auf bestialische Art 50 Litauische Juden ermordet wurden.

Lietukis Garage Kaunas

Garage Kaunas

Lietukis Garage Kaunas

Der Ort, an dem vor 70 Jahren das Pogrom von Litauischen Nationalisten im Beisein von Wehrmachtssoldaten an 50 Litauischen Juden stattfand. Die 50 Juden wurden bestialisch ermordet.