Im Zug von Warschau nach Kaunas, Dienstag, 15.11.2011

Gestern abend noch nach Warschau. Heute 7 Uhr 45 Uhr: Wir fahren mit dem Zug Richtung Litauen, über Bialystok und Sestokai nach Kaunas.

Acht Stunden im ICE, bedeckter Himmel, vorbei an Wäldern, herbstbraunen Wiesen und Feldern. Zeit für ein Resümee zu unserem Aufenthalt in der Lubliner Gegend. Dieses dichte Netz an Arbeits-, Durchgangs-, Vernichtungslagern. Die Ermordung der gesamten jüdischen Bevölkerung, die Auslöschung ihrer Kultur -  das war Teil des großangelegten „Generalplans Ost“. Polen war das Experimentierfeld für die „Germanisierungspolitik“ der deutschen Besatzer: Unterwerfung der Bevölkerung, Enteignung, Umsiedlung, Verschleppung zur Zwangsarbeit ins Reich.

Unser Begleiter Wieslaw Wysock hat uns erzählt, dass die SS im Distrikt Lublin ein „Modellprojekt“ startete: In der Umgebung von Zamosc wurden Tausende polnische Bauern brutal vertrieben, ihre Höfe von Angehörigen der deutschen Minderheit aus Bessarabien übernommen. Unter den Vertriebenen war die Familie von Wysocks Schwiegermutter.

Renate Eichmeier

Viele sind straffrei davongekommen.

Zitat

Und die Täter? Viele sind straffrei davongekommen.

München 1963. Die zuständige Strafkammer am Landgericht München I lehnte für 7 von 8 Angeklagten SS-Männern, die im Vernichtungslager Belzec Dienst taten, die Eröffnung des Hauptverfahrens ab mit der Begründung, sie hätten nichts anderes tun können, als den ihnen erteilten Befehlen zu gehorchen. Ein Täterwille sei nicht erkennbar.

Von mehr als 107.000 Ermittlungsverfahren wurden 90% eingestellt.

Helga Hanusa