Terezin, Sonntag, 6.11.2011

Paul Huf, Ernst Grube, Helga Hanusa am Hauptbahnhof zum Start der Reise (Foto: Marta Reichenberger)

Paul Huf, Ernst Grube, Helga Hanusa am Hauptbahnhof zum Start der Reise (Foto: Marta Reichenberger)

Heute morgen, 7 Uhr 16, Abfahrt am Hauptbahnhof in München, Richtung Nürnberg. Von dort nehmen wir den Bus nach Prag und dann einen Regionalzug nach Bohušovice, etwas außerhalb von Terezin, so der tschechische Name von Theresienstadt. Es ist strahlendes Spätsommerwetter, als wir am frühen Nachmittag ankommen. Hier in Bohušovice kamen die ersten Deportationen aus München ab dem 3. Juni 1942 an. Zu Fuß mussten die Menschen mit ihrem Gepäck in die drei Kilometer entfernte Stadt gehen. Später wurden die Deportierten mit dem Zug direkt in das Konzentrationslager gebracht.

Ernst Grube war 12 Jahre alt, als die Gestapo ihn, seinen Bruder Werner (14), seine Schwester Ruth (6) und seine Mutter Clementine (41) Ende Februar 1945 zuhause abholte. Die Betroffenen wussten in der Regel nicht, wohin die Fahrt ging, was sie erwartete. Ernst erinnert sich, dass die Fahrt ziemlich lange dauerte. Ungefähr 24 Stunden waren die Menschen unterwegs.

Vom Bahnhof in Bohušovice fahren wir mit dem Taxi zu unserem Hotel. Die ehemalige Garnisonsstadt der Habsburger zeigt sich von ihrer sonnigen Seite, buntes Laub, sonntägliche Ruhe. Auf den ersten Blick erinnert nichts daran, dass diese Stadt einst ein einziges großes Konzentrationslager war. Allein aus München wurden von Juni 1942 bis Februar 1945 etwa 1400 Menschen hierher verschleppt.

Renate Eichmeier

Eindrücke von Ernst Grube vom ersten Tag der Reise – Fahrt nach Theresienstadt

Zitat

„Mitzunehmen sind sämtliche Kinder mit Gepäck zwecks Wohnsitzverlegung nach Einsatzort.“ Aus: Gestellungsanordnung der Geheimen Staatspolizei vom 20. Februar 1945

Am frühen Nachmittag in Terezin angekommen, war mein erster Weg zu dem Gebäude, in dem ich zusammen mit circa 10 weiteren Jungen in Theresienstadt inhaftiert war. Leider konnten wir nicht rein. Außen zeigt ein Schild, dass sich heute hier eine IT Firma befindet. Morgen ist Montag. Ich bin gespannt, ob wir dann reinkönnen, woran mir sehr liegt. Heute wie damals sehe ich von diesem Gebäude aus die Kirche drüben am Platz. Im April 1945 kursierte das Gerücht, dass die Nazis dort Gasbomben gelagert hätten. Wir hatten Angst.